Über die Waldorf­pädagogik

Waldorfpädagogik – Bildung des ganzen Menschen

Antworten auf viele weitere Fragen zu Waldorfpädagogik findet man beim Bund der freien Waldorfschulen.

Die erste Waldorfschule wurde 1919 von Rudolf Steiner (1861-1925) in Stuttgart gegründet. Mit ihr wurde zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Es gibt heute ca. 1000 Waldorfschulen weltweit, davon 230 in Deutschland mit 85.000 SchülerInnen. Trotz allgemeinen Schülerrückgangs verzeichneten die Waldorfschulen im Schuljahr 2012/13 einen Zuwachs von 22%. WaldorfschülerInnen erreichen allgemeingültige Schulabschlüsse, nach 12 Jahren die Mittlere Reife oder Fachhochschulreife und nach 13 Jahren das Abitur.

Die Waldorfschule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Ziel ist die ganzheitliche Förderung der Entwicklung, das heißt des Körpers, des Geistes und der Seele. Die intellektuellen, kreativen, künstlerischen, praktischen und sozialen Fähigkeiten der Kinder werden in gleicher Weise ausgewogen angesprochen. Das bedeutet, dass das Lernen auf vielen Ebenen stattfindet, Verknüpfungen schafft und tiefgehende Impulse gibt.

Dazu bieten Waldorfschulen einige Besonderheiten: Von der ersten Klasse an lernen die Kinder zwei Fremdsprachen. Waldorfspezifische Fächer wie Formenzeichnen und die Bewegungskunst Eurythmie unterstützen Entfaltung und Lernen. Der Epochenunterricht ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Unterrichtsthemen, angepasst an die Entwicklungsstufen der SchülerInnen. Durch den Verzicht auf Sitzenbleiben und Noten in der Unter- und Mittelstufe wird die soziale Gemeinschaft und jeder Einzelne in ihr gestärkt. In individuellen Beurteilungen gehen LehrerInnen motivierend auf Leistungen und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler ein.

WaldorfschülerInnen erlangen alle staatlichen Abschlüsse bis zum Abitur. In unserer Nachbarschaft hat der Abiturjahrgang 2014 der Waldorfschule Bielefeld einen Notendurchschnitt von 2,1 erreicht, unter den 22 SchülerInnen gab es neun ‚Einser‘-Abschlüsse. Dieses und andere beeindruckende Ergebnisse entstehen nicht durch üblichen Leistungsdruck. Sie sind Resultat von willens- und leistungsfördernden Methoden der Waldorfpädagogik. 

Ehemalige Waldorfschüler

Was haben Barbara Becker, Sarah Wiener, Ferdinand A. Porsche, und der ehemalige BDI-Präsident Michael Rogowski gemeinsam?
Sie waren WaldorfschülerInnen.

Nobelpreisträger Thomas Südhof betont als Stärken der Waldorfpädagogik „die Erziehung zur Unabhängigkeit, die Förderung von Kreativität und Initiativkraft sowie den Gesamtschulcharakter ohne frühe Selektion.“

„Ehemalige Waldorfschüler sind als Azubis und Mitarbeiter sehr beliebt“, sagt Heiner Barz, Professor für Erziehungswissenschaften an der Heinrich- Heine-Universität in Düsseldorf und Autor von Studien zur Waldorfpädagogik. „Sie sind lernbegieriger, motivierter und engagierter als viele ihrer Kollegen.“ Unternehmer schätzten ihre Selbstständigkeit. „Sie warten nicht lange ab, sondern packen zu“, sagt Barz.